Ein weiter, schneller und tiefer Blick ins Universum mit dem Rubin-Observatorium

 

Text und Bild: Hans-Heinrich Berends

Im Juni 2025 wurden die ersten Aufnahmen des Vera C. Rubin Observatoriums auf dem Cerro Pachón in Chile veröffentlicht. Dr. Hundertmark vom Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg, das bevorzugten Zugang zu den Daten und Bildern des Observatoriums hat, war jetzt Gast bei den Nordenhamer Sternfreunden.

 

57 Besucherinnen und Besucher folgten im Hörsaal des Nordenhamer Gymnasium den Ausführungen des Vortragenden zu den neuen Möglichkeiten der Himmelsbeobachtung mit diesem Teleskop und wie sich dadurch unser Verständnis des Universums erweitern wird.

 

Das Vera C. Rubin Observatorium ist derzeit das modernste optische Durchmusterungsteleskop, es hat ein 8,4-Meter-Teleskop und besitzt mit einer 3,2 Gigapixel-Kamera die weltweit größte Digitalkamera. Man kann mit diesem Teleskop weit (Gesichtsfeld von 45 Vollmonden), tief (hohe Auflösung) und schnell (hohe Aufnahmerate) ins Universum blicken.

Das Observatorium ist nach der US-amerikanischen Astronomin Vera Cooper Rubin benannt, die maßgeblich zur Entdeckung der Dunklen Materie beitrug.

 

Ein wissenschaftliches Ziel des Observatoriums ist auch die Vermessung von schwachen Gravitationslinsen, um Dunkle Materie und Dunkle Energie zu finden.

 

Außerdem sollen kleine Objekte im Sonnensystem wie z. B. erdnahe Asteroiden und Objekte aus dem Kuiper-Gürtel kartografiert werden. In der ersten Beobachtungswoche wurden schon mehr als 2000 unbekannte Asteroiden entdeckt, bisher kennen wir 1 Millionen, in Zukunft werden es 6 Millionen sein. Asteroiden können für die Erde potenziell gefährlich sein, „ungemütliche“ können mit Rubin früh ermittelt werden.

 

Zudem können kurzzeitige Ereignisse wie Novae und Supernovae beobachtet werden und eine verbesserte Kartierung der Milchstraße wird möglich sein. Rund 20 Milliarden Sterne und 20 Milliarden Galaxien wird Rubin außerdem in den nächsten Jahren entdecken.

 

Mit den Daten des Observatoriums soll innerhalb der nächsten 10 Jahre eine ultraweite, ultrahochauflösende Zeitraffer-aufnahme des Universums erstellt werden. Dieser Film wird z. B. auch zeigen, ob die Dunkle Energie konstant ist oder sich ändert. Auch mit überraschenden Ergebnissen müsse man rechnen.

Man könne sagen, dass mit Rubins weitem, schnellen und tiefen Blick ins Universum eine neue Ära der Astronomie beginne.

 

Zum Abschluss beantwortete Herr Dr. Hundertmark noch Fragen aus dem Publikum.

 

Mit einem langanhaltenden Applaus dankten ihm die Zuhörerinnen und Zuhörer.