Text und Fotos von Hans-Heinrich Berends
Zu Gast bei den Nordenhamer Sternfreunden war jetzt Dr. Hans Böhringer vom MPI für extraterrestrische Physik in Garching bei München. Vor 47 Besuchern und Besucherinnen im Hörsaal des Gymnasiums referierte er über neue Erkenntnisse der Hochenergie-Astrophysik.
Dieses sehr junge Forschungsgebiet entstand erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts. Die Hochenergie-Astrophysik bietet uns ein ganz anderes Bild als die Betrachtungen im sichtbaren Licht. Dieses bietet nur ein schmales Fenster im Vergleich zu den anderen nicht sichtbaren Wellenbereichen wie z. B. Radiowellen, Infrarot, Röntgenstrahlung und Gammastrahlung. Zudem können einige dieser Wellenbereiche auf der Erde gar nicht beobachtet werden, die Atmosphäre ist nicht „durch-sichtig“ dafür.
1572 entdeckte Tycho Brahe im Sternbild Cassiopeia einen neuen hellen Stern, den er als Stella Nova bezeichnete. Was er sah, war eine Super Nova, eine gewaltige Sternenexplosion, die 18 Monate am Himmel zu sehen war und dessen Überreste auch heute noch z. B. mit dem Chandra Röntgenteleskop der NASA zu erkennen sind.
Sie entstehen meist durch den Kollaps des Kerns eines massereichen Sterns, eine enorme Menge an Energie und schweren Elementen werden dabei ins Weltall geschleudert. Supernovae sind wichtig für die Entstehung neuer Sterne und die Ver-teilung der schweren Elemente wie z.B. Eisen im Universum.
Sie hinterlassen einen Neutronenstern, wenn der kollabierende Stern 8 bis 11 Sonnenmassen hatte und Schwarze Löcher wiederum entstehen aus Neutronensternen mit mehr als 2,5 bis 3 Sonnenmassen.
Apollo 11 musste eine Geschwindigkeit von 11 km/Sek. erreichen, damit es die Erdanziehung überwinden konnte, bei der Sonne müssten es 620 km/Sek. sein und bei einem Schwarzen Loch reicht selbst die Lichtgeschwindigkeit nicht. Ein Schwarzes Loch ist so massereich, dass auch Licht seiner Schwerkraft nicht entkommen kann.
Woher weiß man dann, dass sie existieren? Man kann sie zwar nicht direkt beobachten, aber sie sind von einer leuchtenden Gasscheibe umgeben und heben sich vom dunklen Hintergrund ab, man kann also den „Schatten“ eines Schwarzen Loches sehen. 2017 gelang das erste „Photo“ eines Schwarzen Lochs. Auch die 2015 zum ersten Mal beobachteten Gravitations-wellen sollten von verschmelzenden Schwarzen Löchern stammen und weisen damit auf Ihre Existenz hin.
Und langjährige Beobachtungen der Bewegungen von Sternen nahe dem Zentrum der Milchstraße brachten den Nachweis, dass sich dort ein Schwarzes Loch befinden muss, das durch seine starke Gravitation die Sterne auf ihren Bahnen hält.
Nach dem sehr anschaulichen Vortrag beantwortete Dr. Böhringer noch Fragen der Zuhörer.
Anschließend wurde bei einem Abendessen gemütlich zusammengesessen und noch über den einen oder anderen Aspekt des Vortrags diskutiert.
Hier gibt es zudem ein Interview mit dem Gastdozenten, das vor dem Vortrag aufgenommen wurde.
Gefilmt wurde es von unserem Schriftführer Uwe Schau, Interviewer ist Fynn, Mitglied der Astronomie-AG des Gymnasiums Nordenham und unser neues Mitglied.
