Auf Streifzug durch Astronomie und Raumfahrt

Zu Gast bei den Nordenhamer Sternfreunden war jetzt wieder Dirk H. Lorenzen aus Hamburg. Herr Lorenzen ist Astrophysiker, Buchautor und Wissenschaftsjournalist, der u. a. auch Beiträge für die „Sternzeit“ schreibt, die täglich in der Sendung „Forschung aktuell“ des Deutschlandfunks ausgestrahlt wird. Alle zwei Wochen erscheint sein DLF-Weltraum-Newsletter „Mr. Sternzeit“, den man kostenlos abonnieren kann.

 

Er nahm die 64 Zuhörer im Hörsaal des Gymnasiums mit auf einen Streifzug durch Astronomie und Raumfahrt und startete mit einem besonderen Foto, das den Mond im Vordergrund und die Erde dahinter zeigt. Zu sehen war die beleuchtete Rückseite des Mondes, die man von der Erde aus nie zu sehen bekommt. 

 

 

Tiefere Einblicke ins Weltall ermöglichen u. a. die Weltraum-Teleskope Hubble und James Webb und damit ging die Reise weiter. Hubble startete 1990 in den Weltraum und arbeitet weiterhin zuverlässig auf seiner Umlaufbahn um die Erde in 540 km Höhe.  2021 folgte ihm das Webb-Teleskop, das sich 1,5 Mio km von der Erde entfernt befindet. Zu dieser Position, dem sogenannten Lagrangepunkt 2, wurde es mit der europäischen Rakete Ariane 5 gebracht. Dabei wurde die Bahn so exakt berechnet, dass sehr viel Treibstoff gespart wurde, dieser wird später für kleine Positions-Korrekturen benötigt. Die Lebensdauer des Teleskops wurde somit auf 20 Jahre verdoppelt.

 

 

James Webb kann man nicht als Nachfolger von Hubble bezeichnen, die beiden Teleskope ergänzen sich, Hubble beobachtet vor allem im sichtbaren Licht und James Webb hauptsächlich im Infrarotlicht und kann noch tiefer ins Universum und somit weiter zurück in die Vergangenheit schauen.  Herr Lorenzen zeigte beeindruckende Aufnahmen der beiden Teleskope und er wies auf den sogenannten „Beifang“ hin, Mrd. Lichtjahre entfernte Galaxien, die z. B. neben Planetarischen Nebeln ebenfalls auf den Bildern zu sehen sind.

 

James Webb hat dabei drei Galaxien entdeckt, die zufälligerweise wie ein Fragezeichen angeordnet sind. Und es stimmt ja, es gibt noch viele offene Fragen in der Kosmologie.

 

 

Wie unglaublich leistungsstark das James-Webb-Teleskop ist, veranschaulichte der Referent an einem Beispiel: James Webb ist es gelungen, einen Exoplaneten bei einem 4 Mio LJ entfernten Stern direkt abzubilden. Das ist so, als würde man eine Mücke neben einem Flutlichtmast im Weserstadion von Nordenham aus fotografieren können.

 

 

Die Technik ermöglicht heutzutage sehr viel, aber bei einem Projekt ist Dirk Lorenzen eher skeptisch, er glaubt nicht, dass die USA bis 2028 wieder Menschen zum Mond bringen werden, 2024, wie Trump es angekündigt hatte, hat es nicht funktioniert und auch diesmal sind die Aussichten nicht gut, es gibt noch kein Raumschiff, keine Raumanzüge, 4000 Stellen bei der NASA sind gestrichen worden, alles schlechte Voraussetzungen für einen baldigen Flug zum Mond. Wissenschaftlich und wirtschaftlich gesehen gäbe es keinen Grund, Menschen zum Mond zu schicken. Es sei denn, man plant einen Flug zum Mars. Dann wäre der Mond der ideale Übungsplatz.

 

 

Es gibt übrigens nicht nur ein „Fragezeichen“ im Weltraum, Hubble hat in einem Galaxienhaufen einen „Smiley“ entdeckt. Gebildet wird er durch den Gravitationslinseneffekt (lächelnder Mund) und zwei helle Galaxien (Augen). Man könnte also sagen, das Universum lächelt uns, seinen Kindern, zu.  Wie tröstlich.

 

 

Nach dem sehr kurzweiligen und informativen Vortrag beantwortete Dirk Lorenzen noch Fragen aus dem Publikum.